{"id":151,"date":"2021-03-10T12:14:41","date_gmt":"2021-03-10T11:14:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/erika\/?page_id=151"},"modified":"2023-10-02T22:19:43","modified_gmt":"2023-10-02T20:19:43","slug":"ueber-uns","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/erika\/ueber-uns\/","title":{"rendered":"\u00dcber uns"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Risikokommunikation<\/h3>\n\n\n\n<p>Risikokommunikation l\u00e4sst sich einerseits als komplexes strategisches Entscheidungsproblem verstehen. Andererseits wird Risikokommunikation als \u201eAustausch von Informationen \u00fcber Risiken und Gefahren mit der Intention, Risikobewusstsein und -verst\u00e4ndnis zu schaffen, risikohaftes Verhalten zu vermindern sowie risikominimierendes Verhalten zu best\u00e4rken (Weaver et al. 2008)\u201c verstanden (Rossmann et al. 2017). Im gesundheitlichen Verbraucherschutz fokussiert Risikokommunikation auf gesundheitliche Risiken und den partizipativen Dialog mit unterschiedlichen Stakeholdern wie <abbr title=\"zum Beispiel\">z.B.<\/abbr> diversen Zielgruppen in der Bev\u00f6lkerung, informiert aber auch die Politik, Verb\u00e4nde und NGOs \u00fcber diese Risiken. Ziel ist es, dass die Adressaten informierte und eigenst\u00e4ndige Entscheidungen treffen k\u00f6nnen (Bruine de Bruin und Bostrom 2013, Morgan et al. 2002).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Begriff des Non-Events<\/h3>\n\n\n\n<p>Als Non-Event wird ein Ereignis bezeichnet, das aufgrund eines erfolgreichen Zusammenspiels von Risikofr\u00fcherkennung, Risikobewertung, Risikokommunikation und Risikomanagement weitgehend vermieden und in seinen widrigen Konsequenzen deutlich abgeschw\u00e4cht werden konnte. Das vorliegende Forschungsvorhaben besch\u00e4ftigt sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit dem Zusammenspiel von Risikobewertung und Risikokommunikation im gesundheitlichen Verbraucherschutz. Non-Events stellen eine besondere Herausforderung f\u00fcr die Risikobewertung und Risikokommunikation dar, weil die tats\u00e4chlichen gesundheitlichen Risiken f\u00fcr den Verbraucher und die Gesellschaft in Form von Eintrittswahrscheinlichkeiten und Konsequenzen aufgrund des Erfolgs von Pr\u00e4ventions- und Behandlungsma\u00dfnahmen nicht direkt beobachtbar sind. Dies f\u00fchrt auf der Mess- und Bewertungsebene zu dem Problem, dass die gesundheitlichen Kosten einer Krise auf Basis kontrafaktischer Annahmen <abbr title=\"beziehungsweise\">bzw.<\/abbr> hypothetischer Krisenszenarien ohne Pr\u00e4ventions- und Behandlungsma\u00dfnahmen gesch\u00e4tzt werden m\u00fcssen. Zus\u00e4tzlich ist von einer hohen aleatorischen Unsicherheit in Bezug auf das individuelle Gesundheitsrisiko auszugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Herausforderung durch Non-Events findet auf der individuellen Wahrnehmungsebene von Gesundheitsrisiken statt, denn die verhaltens\u00f6konomische und vor allem psychologische Forschung zeigt, dass die Wahrnehmung von Risiken mit zahlreichen kognitiven Biases behaftet und von den individuellen Informationsbed\u00fcrfnissen (Risikokompetenz, Erwartungen, Einstellungen) abh\u00e4ngig ist. Somit ist es selbst bei relativ gesicherter Faktenlage in Bezug auf ein Gesundheitsrisiko unsicher, wie die Bewertung und Kommunikation dieses verbraucherbezogenen Gesundheitsrisikos in der Bev\u00f6lkerung tats\u00e4chlich wahrgenommen wird und welche \u00f6ffentlichen Reaktionen auf Vermeidungs- und Minderungsstrategien zu erwarten sind. Hinzu kommt das Problem, dass die erfolgreiche Vermeidung oder Minderung einer Krise aufgrund des Ausbleibens der erwarteten individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen zur Infragestellung des Risikos und der getroffenen Ma\u00dfnahmen f\u00fchren kann (\u201ePr\u00e4ventionsparadoxon\u201c).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fragestellungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Es stellen sich somit folgende Fragen: Wie k\u00f6nnen Non-Events und entsprechende Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen durch eine effektive Risikokommunikation sichtbar gemacht werden? Wie kann Risikokommunikation auch bei Wahrnehmungsverzerrungen und heterogenen individuellen Informationsbed\u00fcrfnissen innerhalb verschiedener Stakeholdergruppen effektiv gestaltet werden? Inwiefern lassen sich die Ergebnisse f\u00fcr das Reputationsmanagement eines Akteurs im gesundheitlichen Verbraucherschutz nutzen? Die Forschungsgruppe tr\u00e4gt mit einer wissenschaftlichen Untersuchung, die auf einem theoriegeleiteten empirischen und experimentellen Methodenmix basiert, zur Beantwortung dieser Fragen bei.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vorgehen<\/h3>\n\n\n\n<p>In der Regel erfolgt die Bewertung von Gesundheit und Lebensqualit\u00e4t mit den Standardans\u00e4tzen der Finanzwissenschaft und Gesundheits\u00f6konomik wie der Kosteneffektivit\u00e4tsanalyse, der Kosten-Nutzwert-Analyse (<abbr title=\"zum Beispiel\">z.B.<\/abbr> in Form von QALYs\/Quality-Adjusted-Life-Years und DALYs\/Disability-Adjusted-Life-Years) und der Kosten-Nutzen-Analyse. Mit Hilfe von experimentellen Ans\u00e4tzen (z. B. Standard-Lotterie-Methode oder Methode der zeitlichen Abw\u00e4gung) werden die hierf\u00fcr notwendigen Bewertungen (<abbr title=\"zum Beispiel\">z.B.<\/abbr> f\u00fcr die Erreichung eines bestimmten Gesundheitszustands, f\u00fcr die Vermeidung der Exposition mit einem Schadstoff oder f\u00fcr die Reduktion von Unsicherheit in der Nahrungskette) generiert und eine ordinal oder kardinal interpretierbare Ma\u00dfzahl berechnet. So berechnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) DALYs standardisiert und ber\u00fccksichtigt dabei bspw. Hygienestandards \u2013 ein Bereich, der essentiell in der Lebensmittelsicherheit und damit im gesundheitlichen Verbraucherschutz ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das vorliegende Forschungsprojekt entwickelt die Standardans\u00e4tze f\u00fcr die Bewertung von Non-Events unter Einbeziehung von verschiedenen Formen der Unsicherheit (<abbr title=\"unter anderem\">u.a.<\/abbr> aleatorischer Unsicherheit) weiter und erg\u00e4nzt die Standardans\u00e4tze um subjektive Ans\u00e4tze, die m\u00f6gliche Wahrnehmungsverzerrungen wie Framing-Effekte und heterogene Informationsbed\u00fcrfnisse ber\u00fccksichtigen. Aus der theoretischen und empirischen Analyse der Interaktionen zwischen den Voreinstellungen und Erwartungen der Adressaten von Risikokommunikation und den kommunizierten Informationen in Form von Stellungnahmen, FAQs, Informationen und Pressemitteilungen werden zum einen wichtige Erkenntnisse f\u00fcr eine effektive Risikokommunikation generiert. Zum anderen l\u00e4sst sich \u00fcber die Berechnung der Kosten und Nutzen von Non-Events und damit vom Wert der Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen auch die Reputation eines Akteurs im gesundheitlichen Verbraucherschutz steigern. Dazu bedarf es der Entwicklung von Kommunikationsans\u00e4tzen, die wiederum auf Basis der Bedeutung von DALYs und QALYs (als Typen von HALYs\/Health-Adjusted Life Years) f\u00fcr spezifische Zielgruppen und deren Gesundheitsinformationsverhalten entwickelt werden. Von Erkenntnisinteresse sind Fragen danach, welche Informationen im Kontext von DALYs und QALYs 1) zu kommunizieren und 2) wie diese aufzubereiten und zu vermitteln sind. Hier ist eine Verzahnung der Arbeitsprogramme beider H\u00e4user angelegt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literaturverzeichnis<\/h3>\n\n\n\n<p>de Bruin, W. B., und Bostrom, A. (2013): \u201eAssessing what to address in science communication\u201d, Proceedings of the National Academy of Sciences 110 (Supplement 3), 14062-14068.<\/p>\n\n\n\n<p>Morgan, M. G., Fischhoff, B., Bostrom, A., und Atman, C. J. (2002): Risk Communication: A Mental Models Approach. Cambridge: Cambridge University Press.<\/p>\n\n\n\n<p>Rossmann, C., Brosius, H.-B., und Meyer L. (2017): \u201eRisikokommunikation\u201c, in: Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung (<abbr title=\"Herausgeber\">Hrsg.<\/abbr>): Leitbegriffe der Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention. K\u00f6ln. (<a href=\"https:\/\/www.leitbegriffe.bzga.de\/\" rel='nofollow'>https:\/\/www.leitbegriffe.bzga.de\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Weaver, J. B., Weaver, S. S., und Di Clemente, R. (2008): \u201eRisk communication\u201c, in: Heggenhougen, H. K., und Quah, S. (Hg.): International Encyclopedia of Public Health, S. 601-606. Cambridge, MA: Academic Press.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Risikokommunikation Risikokommunikation l\u00e4sst sich einerseits als komplexes strategisches Entscheidungsproblem verstehen. 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