Bundeswehr bereitet Bildungspass vor

HSU

7. September 2018

Ein Mann mit Vollbart spricht von einem Rednerpult aus zu einer größeren Gruppe von Menschen, darunter zwhlreiche Uniformierte.
Worum geht es beim Projekt Bildungspass? Beim (Aus)Bildungskongress in Hamburg informiert Sascha Heeren vom Bildungszentrum der Bundeswehr über das Projekt. (Foto: Andreas Metka)

Die neue Agenda Ausbildung räumt der Einführung eines Bildungspasses für Bundeswehrangehörige einen hohen Stellenwert ein. Es geht darum, zivilberufliche Kompetenzen in militärischen Ausbildungen, Prüfungen und Verwendungen in einem „Bildungspass“ individuell zu dokumentieren – und das auf Grundlage eines abgestimmten Verfahrens und in verständlicher Form auch für zivile Arbeitgeber. Auf dem (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr in Hamburg gab es Informationen über den neuesten Stand des ehrgeizigen Projekts.

Die Bundeswehr ist einer der größten Ausbilder in Deutschland und zugleich einer der größten Arbeitgeber auf Zeit. Es ist ihr wichtig, die befristet Dienstleistenden anschließend auf dem zivilen Arbeitsmarkt gut untergebracht zu sehen. Aber die militärischen Profile ausscheidender Zeitsoldaten sind für zivile Unternehmen oft schwer nachvollziehbar und erschweren so die Eingliederungschancen im zivilen Berufsleben. Hier soll der Bildungspass der Bundeswehr Abhilfe schaffen.

Auf dem (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr in Hamburg, Deutschlands größtem Kongress für Erwachsenen- und Berufsbildung, stellte das Bildungszentrum der Bundeswehr (BiZBw) das ehrgeizige Projekt vor. „Es geht im Kern um Beschreibungen. Der Bildungspass ist kein simples Wörterbuch Bundeswehr – Deutsch, Deutsch – Bundeswehr“, betonte Sascha Heeren, Referent Wissenschaftlicher Grundsatz im BiZBw, vor vielen interessierten Zuhörern in Zivil und in Uniform. „Es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen. Es gilt zum Beispiel ein einheitliches Verfahren für zivilberuflich verständliche Beschreibungen zu entwickeln – und das vor dem Hintergrund, dass nun einmal eine Verwaltungstätigkeit im Einsatz in Afghanistan oder Mali anders zu bewerten ist als im militärischen Alltag in einer Kaserne in Köln oder in Rostock.“

Jeder Arbeitgeber entscheide am Ende selbst, wie er den Bildungspass bewerte. „Der Bildungspass qualifiziert nicht, aber er dokumentiert die erworbenen Qualifikationen kompetenzorientiert, so dass sie ein potenzieller Arbeitgeber sachgerecht einordnen kann“, erläuterte Heeren.

Für die Agenda Ausbildung sei dieses Projekt ein „zentrales Element“, hatte es Generalleutnant Klaus von Heimendahl, als Abteilungsleiter Personal im Bundesministerium der Verteidigung für rund 264.000 Menschen in Uniform und in Zivil in der Bundeswehr verantwortlich, im Kongresskatalog auf den Punkt gebracht. Der Bildungspass ermögliche „systemintern eine bessere Transparenz und Vergleichbarkeit von Kompetenzprofilen“, was eine wesentliche Voraussetzung für flexible Karrierewege innerhalb der Bundeswehr sei. Nach außen erleichtere der Pass das Zusammenwirken von Akteuren aus verschiedenen Welten, ob Militär, Bundes- und Landesverwaltungen, Wirtschaft oder Wissenschaft.

Sascha Heeren wollte sich auf dem Kongress, der vom 4. bis 6. September 2018 an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg Fachleute aus Bildung, Forschung und Technik auch von außerhalb der Bundeswehr zusammenführt, nicht auf eine Zeitschiene für die Einführung des Passes festlegen. Das Projekt verlange umfangreiche Abstimmungen, welche Befähigungen, die Soldaten während ihrer Dienstzeit erwerben, dokumentiert werden können. Es gelte herauszufinden, was davon rein militärisch gewesen ist und was mit Blick auf eine zivile berufliche Folgekarriere nützlich sein kann, zum Beispiel die soziale Kompetenz und Führungsfähigkeiten. Nicht zuletzt besteht eine Herausforderung darin, dass Zuständigkeiten in verschiedenen Bereichen liegen und deshalb die Abstimmungswege mitunter komplex sind.

Die Verankerung in der Agenda Ausbildung gebe dem Projekt indes die nötige Priorität. Am Sinn des Bildungspasses der Bundeswehr mit Blick auf deren Verankerung in der Gesellschaft sowie zur weiteren Steigerung der Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr gebe es grundsätzlich keine Zweifel. Sascha Heeren: „Bildung und Qualifizierung sind nun einmal wesentliche Eckpfeiler der Personalgewinnung, Personalentwicklung und Personalbindung.“

Text: Helmut Michelis