{"id":1470,"date":"2026-06-05T12:37:33","date_gmt":"2026-06-05T10:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bep\/?page_id=1470"},"modified":"2026-06-05T14:22:51","modified_gmt":"2026-06-05T12:22:51","slug":"einladung-zum-workshop","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bep\/einladung-zum-workshop\/","title":{"rendered":"1966\u20132026: \u203aErziehung nach Auschwitz\u2039"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einladung  zum Workshop<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">[25. Juni 2026 | 10.00 bis 16.00 Uhr | M01.0001]<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u00b7<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>\u00bbDie Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.<br>Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begr\u00fcnden zu<br>m\u00fcssen noch zu sollen.\u00ab \u2013 Theodor W. Adorno, Erziehung nach Auschwitz\u2039, 1966<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00b7<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn heute wieder Faschisten in den Parlamenten sitzen, Synagogen angegriffen werden und mitunter offen proklamierte Menschenverachtung regiert, ist fraglich, ob die von Adorno vor sechzig Jahren formulierte \u00bballererste\u00ab Forderung an Erziehung, \u00bbdass Auschwitz nicht noch einmal sei\u00ab, auch nur anteilig eingel\u00f6st wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Freilich ist nicht zu leugnen, dass seit den 1970ern allgemein gesellschaftlich und insbesondere im Schulunterricht Faschismus, NS und Shoah ausgiebig \u00bbthematisiert\u00ab wurden und werden; wer jedoch das mit \u00bbErziehung nach Auschwitz\u00ab meint, macht aus der Forderung eine blo\u00dfe Leerformel. Dass jede \/ jeder vierte antisemitische Einstellung hat, kann als best\u00fcrzender Beleg daf\u00fcr genommen werden, wie ohnm\u00e4chtig Erziehung mit ihren selbstverst\u00e4ndlichsten Anspr\u00fcchen nach Menschlichkeit, Friedfertigkeit, Solidarit\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberdies spricht Adorno von \u00bbErziehung\u00ab, nicht von \u00bbBildung\u00ab nach Auschwitz. Selbst wenn ihr letztes Ziel Bildung w\u00e4re, geschieht eine solche Erziehung unter Bedingungen der Halbbildung, die nicht von ungef\u00e4hr erstmals in der \u203aDialektik der Aufkl\u00e4rung\u2039 als ein \u00bbElement des Antisemitismus\u00ab erw\u00e4hnt wird. Sind diese Bedingungen also so beschaffen, dass man, um eine Wiederholung von Auschwitz zu verhindern, sich mit blo\u00dfer Erziehung begn\u00fcgen und von den hochtrabenden Anspr\u00fcchen klassischer Bildung verabschieden muss?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie haben sich au\u00dferdem die gesellschaftlichen Bedingungen ge\u00e4ndert und wie w\u00e4ren entsprechende Adornos \u00dcberlegungen zu aktualisieren? Adorno empfiehlt, so \u00bbetwas wie mobile Erziehungsgruppen und -kolonnen von Freiwilligen\u00ab aufs Land zu schicken. Diese Empfehlung wirkt aus der Zeit gefallen, insofern der Gegensatz von Stadt und Land schw\u00e4cher geworden sein d\u00fcrfte, aber auch quantitativ nicht mehr so stark ins Gewicht f\u00e4llt. Sie wirkt aber vor allem deshalb so hilflos, weil sie blo\u00df zu partikularen Interventionen kommt. In dieser Hinsicht ist die Gegenwart nicht \u00fcber Adornos Erziehungskolonnen hinausgekommen: Die antisemitismuskritischen Workshops und Trainings, die seit dem 7. Oktober 2023 immer \u00f6fter angeboten werden, stehen weitgehend ohnm\u00e4chtig einem immer st\u00e4rker werdenden Antisemitismus gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00fchrt zur grundlegenden Aporie, in der sich Adornos Vortrag bewegt: Nach aller historischen Erfahrung ist die P\u00e4dagogik nicht in der Lage, allein die Bedingungen zu schaffen, eine Wiederholung von Auschwitz zu verhindern. Vielmehr m\u00fcsste Adornos Forderung gesellschaftlich selbstverst\u00e4ndlich werden und auch die dem Antisemitismus widerstehende Erfahrungsf\u00e4higkeit durch gesellschaftlich erm\u00f6glicht werden. Sind aber die M\u00f6glichkeiten, die Gesellschaft entsprechend einzurichten, verbaut, erscheint die P\u00e4dagogik als das letzte Feld, auf dem eine entsprechende Intention noch wirksam werden k\u00f6nnte. Dies stellt sich als Problem einer kritischen Erziehungswissenschaft. So unverzichtbar ihre historische Rekonstruktion ist \u2013 notwendig ist vor allem ihre Restitution in theoretischer wie praktischer Auseinandersetzung mit (nicht nur p\u00e4dagogischen) sozialen Verh\u00e4ltnissen, die die kritische Theorie als Herrschafts- und Gewaltverh\u00e4ltnisse analysierte. Allein Buchtitel wie \u203aErziehung und Emanzipation\u2039 (Mollenhauer), \u203a\u00dcber den Widerspruch von Bildung und Herrschaft\u2039 (Heydorn) oder \u203aB\u00fcrgerliche K\u00e4lte und P\u00e4dagogik\u2039 (Gruschka) bezeugen, mit welcher Sch\u00e4rfe und Dringlichkeit die kritische Theorie der Gesellschaft als Erziehungswissenschaft fortgesetzt werden sollte: f\u00fcr eine \u2013 in geschichtlicher Verantwortung notwendige \u2013 \u00bbpolitische Begr\u00fcndung als Sozialwissenschaft\u00ab, wie Gamm es forderte (in \u203aDas Elend der sp\u00e4tb\u00fcrgerlichen P\u00e4dagogik\u2039, 1972).<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings bekommt das Anliegen, Adornos \u00dcberlegungen zu aktualisieren, heute von ungebetener Seite Unterst\u00fctzung: Israels Vorgehen im Gazastreifen sei genozidal, eine Erziehung nach Auschwitz m\u00fcsse heute eigentlich eine Erziehung nach Gaza sein. Gegen\u00fcber dieser Verkehrung ist festzuhalten: Zwar haben sich die Bedingungen ver\u00e4ndert, sodass der Antisemitismus Umwege nehmen muss und der beliebteste dieser Umwege hei\u00dft Israel. Aber die Bedingungen haben sich dann doch nicht so sehr ver\u00e4ndert, dass die ehemaligen Opfer heute die Rolle der ehemaligen T\u00e4ter eingenommen h\u00e4tten. Dasselbe Ressentiment findet immer noch dasselbe Objekt.<br>Wir laden Sie und Euch ein, mit uns Adornos Vortrag \u203aErziehung nach Auschwitz\u2039, der vor sechzig Jahren im HR zu h\u00f6ren war, gemeinsam in seiner Aktualit\u00e4t und geschichtlichen Bedeutung zu diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Termin: 25. Juni 2026<br>Ort: Campus Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t \/ Universit\u00e4t der Bundeswehr Hamburg<br>Raum: 0001 im Mensa-Geb\u00e4ude M01<br>Zeit: 10.00 bis 16.00 Uhr (mit Mittagspause)<\/p>\n\n\n\n<p>\u00b7<br>Wir freuen uns \u00fcber Referate, Impulsvortr\u00e4ge, Thesenpapiere und dergleichen. Ausdr\u00fccklich laden wir auch Interessierte aus der au\u00dferakademischen Praxis ein, sich zu beteiligen!<br>Wir bitten um kurze R\u00fcckmeldung bis zum 19. Juni 2026 an:<br>behrens@hsu-hh.de oder hellings@hsu.hamburg<\/p>\n\n\n\n<p>\u00b7<br><abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Simon Helling,<br><abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Roger Behrens,<br>Professur f\u00fcr Erziehungswissenschaft,<br>insbesondere Bildungs- und Erziehungstheorie<br>sowie philosophische Grundlagen<\/p>\n\n\n\n<p>Einladungstext: <a href=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bep\/wp-content\/uploads\/sites\/846\/2026\/06\/Einladung-Workshop-Erziehung-nach-Auschwitz.pdf\">hier<\/a>.<br>Plakat: <a href=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bep\/wp-content\/uploads\/sites\/846\/2026\/06\/plakat-erziehung-nach-auschwitz.pdf\">hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einladung zum Workshop [25. 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