{"id":116,"date":"2018-01-17T14:07:04","date_gmt":"2018-01-17T13:07:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/vorlage\/?page_id=116"},"modified":"2021-03-09T15:23:33","modified_gmt":"2021-03-09T14:23:33","slug":"teilprojekte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/teilprojekte\/","title":{"rendered":"Teilprojekte"},"content":{"rendered":"\n<p>Anordnung der Teilprojekte in der Forschergruppe Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"426\" src=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/wp-content\/uploads\/sites\/857\/2021\/03\/TP_zweite_Phase-1024x426.png\" data-credit=\"FOR2104\" alt=\"TP\" class=\"wp-image-169\" srcset=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/wp-content\/uploads\/sites\/857\/2021\/03\/TP_zweite_Phase-1024x426.png 1024w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/wp-content\/uploads\/sites\/857\/2021\/03\/TP_zweite_Phase-300x125.png 300w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/wp-content\/uploads\/sites\/857\/2021\/03\/TP_zweite_Phase-768x319.png 768w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/wp-content\/uploads\/sites\/857\/2021\/03\/TP_zweite_Phase-1100x457.png 1100w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/wp-content\/uploads\/sites\/857\/2021\/03\/TP_zweite_Phase.png 1239w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Hinweis:<\/strong>&nbsp;Im Folgenden finden Sie Beschreibungen der Teilprojekte der zweiten F\u00f6rderphase. Einen Link zu Beschreibungen der Teilprojekte der ersten F\u00f6rderphase finden Sie <a href=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/wp-content\/uploads\/sites\/857\/2021\/03\/teilprojektbeschreibung-erste-phase.pdf\">hier<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Forschungsprogramm wird in insgesamt acht Teilprojekten umgesetzt, die in einem 4&nbsp;x&nbsp;2 Matrixdesign angeordnet sind (siehe Abbildung). Die vier S\u00e4ulen des Projekts werden durch die Bausteine A (Identifikation\/Rationalit\u00e4t), B (Anerkennung\/Legitimit\u00e4t), C (Dynamik\/Stabilit\u00e4t) und D (Folgewirkungen\/Nachhaltigkeit) gebildet. Jeweils ein Teilprojekt in jeder S\u00e4ule setzt sich aus dem Blickwinkel der Transparenz-Hypothese und aus dem Blickwinkel der Experten-Hypothese mit der Bedarfshypothese auseinander. Dabei sind fast alle Teilprojekte jeweils als Dialog zwischen mindestens zwei Disziplinen angeordnet, wobei eine Disziplin die Federf\u00fchrung hat und die anderen Disziplinen beratend auftreten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Baustein A: Identifikation<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Teilprojekt A1<\/strong>&nbsp;(Prof. Diederich\/ Prof. Nicklisch\/ Prof. Siebel):&nbsp;Rationale Entscheidungstheorien fordern, dass Pr\u00e4ferenzen zwischen Wahlalternativen invariant in Hinblick auf die Darstellung der Optionen sind. Zahlreiche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass sich Pr\u00e4ferenzen im starken Ma\u00dfe durch die Formulierungen und\/oder irrelevante Aspekte in der Beschreibung der Entscheidungssituation sowie durch den Antwortmodus (z.B. Wahl oder Zustimmung) beeinflussen lassen. Diese Effekte werden Framing-Effekte genannt und \u00e4u\u00dfern sich in Pr\u00e4ferenzumkehrungen und -verschiebungen. Framing-Effekte wurden in vielen (Anwendungs-)Bereichen untersucht, jedoch kaum in der Bedarfsgerechtigkeitsforschung. Teilprojekt A1 erforscht die Transparenzhypothese, gem\u00e4\u00df der die Transparenz der Entscheidungsprozesse zur sozialen Objektivierung der Verteilungsentscheidung beitr\u00e4gt. Speziell wird untersucht, welche Faktoren bei der Urteilsbildung \u00fcber Bedarfe eine Rolle spielen. Dabei werden interne und externe Framings untersucht. Internes Framing einer Person h\u00e4ngt von pers\u00f6nlichen Faktoren ab (Erfahrungen, normative Werte, Gewohnheiten). Diese Heterogenit\u00e4t innerhalb der beurteilenden Personen kann sich in den Bedarfseinsch\u00e4tzungen widerspiegeln. Externes Framing bezeichnet die Beeinflussung der Wahrnehmung und Vorstellung eines Frames durch die Formulierung des Entscheidungsproblems. Drei experimentelle Serien zu Framing-Effekten werden vorgestellt. Die erste Serie beinhaltet Entscheidungsexperimente unter Sicherheit mit zwei Darstellungsframes und drei Antwortframes. Dabei werden neben dem Bedarf zwei Heterogenit\u00e4tsmerkmale ber\u00fccksichtigt, ein zugeschriebenes (Alter) und ein erworbenes Merkmal (Gesundheitsverhalten).&nbsp;Die zweite experimentelle Serie besteht aus Entscheidungsexperimenten unter Risiko. Es werden neben dem Bedarf Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale hinsichtlich der Identifizierbarkeit einer bed\u00fcrftigen Person ber\u00fccksichtigt. Die Lotterien werden als Gewinn oder Verlust dargestellt. Es sind zwei Personen in dem Experiment involviert, eine aktive Person (Entscheider), die einen bestimmten Bedarf halten muss und eine andere, passive Person, die einen bestimmten Bedarf erreichen muss und von der Entscheidung der aktiven Person abh\u00e4ngt. Die passive Person kann konkret oder allgemein beschrieben werden. Die dritte experimentelle Serie beinhaltet Entscheidungsexperimente unter Sicherheit und legt den Fokus auf die Identifizierbarkeit des Empf\u00e4ngers und darauf, wie festgelegt wird, wer die Person ist. Ferner werden zwei Antwortframes vorgeschlagen, sowie Gewinn- und Verlust-Frames. In allen Experimenten wird die Heterogenit\u00e4t der Personen, die Urteile f\u00e4llen, durch Pers\u00f6nlichkeitstests und insbesondere durch Tests, die auf Einstellungen zur Gerechtigkeit abzielen, erhoben. Heterogenit\u00e4t in den zu beurteilenden Personen (Reize) wird dadurch hergestellt, indem sie durch verschiedene zugeschriebene oder erworbene Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale beschrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>T<\/strong><strong>eilprojekt A2&nbsp;<\/strong>(Prof. Siebel\/ Prof. Traub):&nbsp;In der 2. F\u00f6rderphase besch\u00e4ftigt sich FOR 2104 mit Differenzierungen in der Anwendung des Bedarfsprinzips. Teilprojekt A2 \u201eMa\u00dfe der Bedarfsgerechtigkeit, Expertise und Koh\u00e4renz\u201c stellt drei Einflussfaktoren in den Mittelpunkt: (a) die Selbstverantwortlichkeit des Empf\u00e4ngers f\u00fcr seine Versorgungssituation, (b) die staatsb\u00fcrgerliche Einbettung des Empf\u00e4ngers und (c) die Bedeutsamkeit der Bedarfserf\u00fcllung f\u00fcr ein menschenw\u00fcrdiges Leben. Auf theoretischer Seite werden diese Faktoren mathematisch modelliert, um sie in Ma\u00dfe der Bedarfsgerechtigkeit zu integrieren. Auf experimenteller Seite wird untersucht, inwieweit unterschiedliche Auspr\u00e4gungen dieser Faktoren die Akzeptanz einer bedarfsgerechten Verteilung st\u00e4rken oder abschw\u00e4chen. In Weiterf\u00fchrung der ersten Laufzeit werden dabei auch der Einfluss auf die Koh\u00e4renz und die Referenzpunktabh\u00e4ngigkeit von Gerechtigkeitsurteilen sowie die Rolle von Expertise einbezogen. So wird gepr\u00fcft, ob sich die Urteile von Menschen, die sich h\u00e4ufig mit Bedarfsversorgung befassen, und von Menschen, die Unterversorgungen aus pers\u00f6nlicher Erfahrung kennen, st\u00e4rker am Bedarf orientieren, koh\u00e4renter sind und eine geringere Referenzpunktabh\u00e4ngigkeit aufweisen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Baustein B: Anerkennung<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Teilprojekt B1<\/strong>&nbsp;(Prof. Kittel\/ Dr. Pritzlaff-Scheele\/ Prof. Schnapp):&nbsp;Netzwerkstrukturen beeinflussen die M\u00f6glichkeit, Bedarfsanspr\u00fcche zu artikulieren, und die Macht, die eigenen Pr\u00e4ferenzen durchzusetzen. Teilprojekt B1 \u201eVerteilungspr\u00e4ferenzen und Bedarfsgerechtigkeit in Netzwerken\u201c untersucht auf der Grundlage der sozialen Austauschtheorie, der Gerechtigkeitssoziologie und der Verhaltens\u00f6konomie Variationen der Anerkennung von Bedarfen in dyadischen Verhandlungen, in denen Zuteilungen an Mitglieder des Netzwerkes au\u00dferhalb der Dyade zul\u00e4ssig sind. In der ersten Projektphase zeigten wir an Hand von zwei Triaden \u2013 dem Dreieck und der 3-Linie \u2013 als Beispiele symmetrischer und asymmetrischer Machtverteilung, dass in Dyaden verhandelte Verteilungen tats\u00e4chlich Au\u00dfenseiter einbeziehen und dass die Bereitschaft, dies zu tun, von den sozialen Werthaltungen der Beteiligten und der Machtstruktur abh\u00e4ngt. Wir konnten des Weiteren zeigen, dass die Probanden bei der Verteilung der Ressource heterogene Bedarfsschwellen beachten. In der zweiten Projektphase arbeiten wir weitere Dimensionen der Netzwerktransparenz (der verf\u00fcgbaren Information \u00fcber einen Knoten) aus, um Beschr\u00e4nkungen hinsichtlich der Reichweite der Bedarfsanerkennung zu untersuchen. Im ersten Schritt erkunden wir den Effekt der Netzwerktransparenz auf die Reichweite der Bedarfserf\u00fcllung, indem wir Heterogenit\u00e4t in zweierlei Weise einf\u00fchren: Erstens erforschen wir die Anerkennung von Bedarfen, wenn die Probanden sich an der gemeinsamen Produktion der Ressource beteiligen, bevor sie bilateral \u00fcber die Verteilung der Ressource verhandeln. Zweitens verwenden wir arbitr\u00e4re Kriterien zur Bildung von Gruppenidentit\u00e4ten, bevor die Probanden Netzwerken zugeordnet werden, in denen sie die Verteilung bilateral verhandeln. Im n\u00e4chsten Schritt untersuchen wir den Effekt der Variation der Gr\u00f6\u00dfe und der Dichte des Netzwerks auf die Anerkennung von Bedarfen. In einem dritten Experiment wird die Konflikthaftigkeit erh\u00f6ht, indem die in der ersten Phase untersuchte \u00dcberflusssituation durch Knappheit ersetzt wird, wodurch mindestens ein Bedarfsanspruch nicht erf\u00fcllt werden kann. In einem letzten Schritt bearbeiten wir die Kongruenz von Einstellungen und Verhalten und untersuchen die Generalisierbarkeit der Laborbefunde, indem wir diese mit Umfragedaten vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teilprojekt B2<\/strong>&nbsp;(Prof. Tepe\/ Prof. Diederich) untersucht den Einfluss des Verfahrens der kollektiven Bedarfsanerkennung auf die Legitimit\u00e4t der Verteilungsentscheidung aus Sicht der Expertenhypothese. Die Befunde der 1. F\u00f6rderphase zeigen, dass Entscheidungsprozesse der kollektiven Bedarfsanerkennung systematischen Verzerrungen unterworfen sind (<em>equivalence framing<\/em>,&nbsp;<em>leaky-bucket effect<\/em>,&nbsp;<em>deservingness<\/em>,&nbsp;<em>entitlement, voting-rule<\/em>). Die Befunde zeigen aber auch, dass Gruppen durchaus im Stande sind, bedarfsgerechtere Verteilungen zu w\u00e4hlen, wenn sie im Entscheidungsprozess auf die Empfehlung eines neutralen Experten zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Die soziale Reichweite und Differenzierung der Anwendung des Bedarfsprinzips stehen im Mittelpunkt der 2. F\u00f6rderphase von B2. Dazu wird untersucht, unter welchen Bedingungen die Gruppenzugeh\u00f6rigkeit von W\u00e4hlern und Experten eine inklusivere oder exklusivere Anwendung des Bedarfsprinzips verursacht. Zur analytischen und laborexperimentellen Bearbeitung dieser Frage wird ein neues Zuteilungs- und Verhandlungsspiel modelliert, in dem \u00fcber die Zuteilung einer bedarfsdeckenden Ressource abgestimmt wird. Die spieltheoretische Modelll\u00f6sung dient als Referenz, um zu testen, wie sich die kollektive Bedarfsanerkennung und Legitimit\u00e4t der Zuteilungsentscheidung ver\u00e4ndern, wenn zun\u00e4chst die Gruppenmitglieder und anschlie\u00dfend der Experte sozial kategorisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Baustein C: Dynamik<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Teilprojekt C1&nbsp;<\/strong>(Prof. Nullmeier\/ Dr. Pritzlaff-Scheele\/ als Mercator-Fellow: Prof. Schramme): Politische Verteilungsentscheidungen machen nicht an den Grenzen von Nationalstaaten halt. Die wissenschaftliche Analyse von Gerechtigkeitsfragen hat sich daher seit einigen Jahren verst\u00e4rkt der Frage der globalen Gerechtigkeit, der politischen Ethik der Migration und der Frage einer gerechten Entwicklungspolitik zugewandt. Dabei ist zwischen drei Szenarien zu unterscheiden: Die nationale Verteilungsarena ver\u00e4ndert sich durch ein gr\u00f6\u00dferes Ma\u00df an Immigration (1. Immigrationsszenario), die entwicklungspolitischen Transfers an L\u00e4nder mit mittlerem und niedrigem Einkommen steigen (2. Transferszenario) oder die Produktionsweise in einem Hocheinkommensland wird so ver\u00e4ndert, dass sie die internationale Arbeitsteilung zugunsten anderer L\u00e4nder verbessert (3. Strukturwandelszenario). Wie stabil Bedarfsbestimmungen und bedarfsgerechte Verteilungen in diesen drei Szenarien sind, wird in Teilprojekt C1 in Verbindung von experimenteller Forschung und Theoriebildung untersucht. In Experimenten, die dem Grunddesign aus der 1. F\u00f6rderphase folgen, soll \u00fcberpr\u00fcft werden, welche Folgen die Aufnahme weiterer Personen in die Verteilungsgemeinschaft bzw. die Einbeziehung von Transferzahlungen an Dritte oder die Ver\u00e4nderung der eigenen Produktionsweise zugunsten Dritter (globale Umverteilung) f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der Verteilungs\u00adentscheidungen hat. Es wird erwartet, dass die Ausweitung der sozialen Reichweite dazu f\u00fchrt, dass sich die Bem\u00fchungen zur Differenzierung der Bedarfe verst\u00e4rken, und zwar in dem Sinne, dass sie vom Immigrations- \u00fcber das Transfer- bis hin zum Strukturwandelszenario immer weiter zunehmen. Im Rahmen des theoretischen Parts des Teilprojektes wird gefragt, ob sich die Bedarfsdifferenzierung durch die Unterscheidung zwischen Notwendigem (Bedarf) und Angemessenem (Suffizienz) eher legitimieren und stabilisieren l\u00e4sst. Unter Aufnahme der Theorien des&nbsp;<em>Sufficientarianism<\/em>&nbsp;werden die M\u00f6glichkeiten der normativen Stabilisierung von Bedarfsdifferenzierung in transnationalen Kontexten untersucht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teilprojekt C2<\/strong>&nbsp;(Prof. Schnapp\/ Prof. Tepe):&nbsp;Umverteilung zur Herstellung von Bedarfsgerechtigkeit wird in demokratischen Wohlfahrtsstaaten auf der Basis von Gesetzen vorgenommen. Diese gesetzlichen Regeln bed\u00fcrfen der Implementierung vor Ort, die in der Regel durch Mitarbeitende \u00f6ffentlicher Verwaltungen oder \u00f6ffentlicher Tr\u00e4ger vorgenommen wird. Teilprojekt C2 \u201eKonzeptionen der Bedarfsgerechtigkeit im Verwaltungshandeln\u201c widmet sich den folgenden Fragen: Von welchen allgemeinen Normen des \u00f6ffentlichen Dienstes und von welchen Konzeptionen der Bedarfsgerechtigkeit ist das Implementationshandeln dieser Mitarbeitenden geleitet? Welche Effekte haben solche Normen bei bedarfsbezogenen Verwaltungsentscheidungen und bei den \u00f6ffentlichen Tr\u00e4gern der Sozialhilfe? Mitarbeitende \u00f6ffentlicher Verwaltungen und \u00f6ffentlicher Tr\u00e4ger der Sozialhilfe, die an bedarfsbezogenen Entscheidungsprozessen beteiligt sind, k\u00f6nnen innerhalb der Gesellschaft als Experten f\u00fcr solche Bedarfsfragen gelten. In der 1. F\u00f6rderphase von FOR 2104 wurde im Teilprojekt B2 gezeigt, dass die Hinzuziehung von Experten zu Gruppenentscheidungen \u00fcber die Verteilung von Ressourcen zu besseren Verteilungsentscheidungen f\u00fchrt. Expertenunterst\u00fctzte Entscheidungen waren dabei in dem Sinne besser, als dass auf ihrer Basis mehr Personen zu einem Einkommen an oder \u00fcber der Einkommensgrenze gef\u00fchrt wurden als bei Entscheidungen ohne Expertenunterst\u00fctzung (Tepe 2017). Im Sinne dieser Entscheidungen sind die oben genannten Bedarfsexperten f\u00fcr das Teilprojekt C2 relevante Forschungssubjekte. Ihre Normsysteme erforschen wir zum einen mit Hilfe von Fokusgruppendiskussionen mit Mitarbeitenden entsprechender Verwaltungseinheiten und zum anderen mit Hilfe von Survey-Experimenten bei Studierenden von verwaltungs- und nicht verwaltungsbezogenen Studieng\u00e4ngen. Schwerpunkte bilden dabei der Umgang mit Heterogenit\u00e4t bei bedarfsbezogenen Entscheidungen und die Rolle der Public-Service-Norm der&nbsp;<em>Impartiality<\/em>&nbsp;(Rothstein und Teorell 2008) beim Umgang mit dieser Heterogenit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Baustein D: Nachhaltigkeit<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Teilprojekt D1<\/strong>&nbsp;(Prof. Nicklisch\/ Prof. Nullmeier):&nbsp;Umverteilung ist eine der Kernfunktionen der Mehrheit moderner Staaten. Gleichwohl ist die Umverteilung f\u00fcr die Gesellschaft mit Kosten verbunden: Umverteilung verzerrt die Anreize zur Arbeit und schafft gleichzeitig Anreize, mehr Zeit mit Freizeitaktivit\u00e4ten zu verbringen. \u00d6konomen bezeichnen die daraus resultierende Produktivit\u00e4tsreduktion als implizite Kosten der Umverteilung. Teilprojekt D1 &#8222;Gerechtigkeit, Anreize und Heterogene Bed\u00fcrfnisse&#8220; analysiert theoretisch und experimentell die impliziten Kosten einer Umverteilung auf der Grundlage bedarfsgerechter Gerechtigkeit. Zu diesem Zweck entwickeln wir experimentelle Designs, die es uns erm\u00f6glichen, die Auswirkungen von Einkommensbesteuerung und Transfers auf die Arbeitsproduktivit\u00e4t zu messen. Die Ergebnisse aus unserer ersten F\u00f6rderperiode geben wenig Hinweise auf die Existenz impliziter Kosten der Umverteilung, vielmehr Hinweise auf eine h\u00f6here Arbeitsproduktivit\u00e4t, wenn Transferzahlungen Empf\u00e4nger zugutekommen, die nicht pers\u00f6nlich f\u00fcr ihren Bedarf verantwortlich sind. Wenn wir aber die Legitimit\u00e4t der Besteuerung so variieren, dass die Steuereinnahmen Transfers an weniger bed\u00fcrftige Empf\u00e4nger finanzieren oder wenn sie ganz verschwendet werden, sinkt der Produktivit\u00e4ts\u00fcberschuss. Die zweite F\u00f6rderperiode untersucht die Auswirkungen der Differenzierung von Transfers zur Befriedigung eines Bedarfs mit heterogenen Ursachen (d.h. der Bedarf wird durch pers\u00f6nliche Verschulden oder exogen auferlegte Beschr\u00e4nkungen verursacht). Wir untersuchen daraus resultierende implizite Kosten der Umverteilung f\u00fcr unterschiedliche Transparenzniveaus der Eigenverantwortung. Wir vergleichen die H\u00f6he der Kosten bei Differenzierung mit der Wirkung von politischen Instrumenten, die die indirekte Reziprozit\u00e4t zwischen Transferzahlern und Transferempf\u00e4ngern verst\u00e4rken. Schlie\u00dflich entwickeln wir einen allgemeinen Rahmen f\u00fcr das Zusammenspiel von indirekter Reziprozit\u00e4t, der Differenzierung des Bedarfs, der begrenzten Transparenz der Eigenverantwortung und der H\u00f6he der impliziten Kosten der bedarfsgerechten Umverteilung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teilprojekt D2<\/strong>&nbsp;(Prof. Traub\/ Prof. Kittel):&nbsp;Die Verteilung der Lebenszeiteinkommen weist ein erhebliches Ma\u00df an Stochastizit\u00e4t auf. Der umverteilende Wohlfahrtsstaat kann als eine spezielle Art von Versicherung charakterisiert werden, welche die Varianz der Lebenszeiteinkommen reduziert. Teilprojekt D2 \u201eBedarfsgerechte Umverteilung als sozialer Kontrakt\u201c analysiert sowohl theoretisch als auch mit Hilfe von durch Laborexperimente gest\u00fctzter Empirie, welche \u00f6konomischen Anreizwirkungen der Wohlfahrtstaat im Kontext produktiver Investitionsentscheidungen entfaltet, die von einem involvierten aber unparteiischen Beobachter getroffen werden. Die 1. F\u00f6rderphase hat gezeigt, dass bedarfsgerechte Umverteilung in dem Sinne nachhaltig ist, dass sowohl die Einkommensungleichheit reduziert wird, als auch Investitionen stimuliert werden. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird D2 in der 2. F\u00f6rderphase unterschiedliche Konzeptionen der Bedarfsgerechtigkeit untersuchen: Welche Auswirkungen hat ex-ante-Heterogenit\u00e4t in Form von Risikopr\u00e4ferenzen und Gruppenidentit\u00e4ten auf das Investitionsverhalten des unparteiischen Beobachters? Wie wirken sich Differenzierungen auf die Akzeptanz des Verteilungsergebnisses durch die Gruppenmitglieder aus? Diskriminieren die eigentlich unparteiischen Beobachter gegen Gruppenmitglieder mit anderen Eigenschaften?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anordnung der Teilprojekte in der Forschergruppe Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren Hinweis:&nbsp;Im Folgenden finden Sie Beschreibungen der Teilprojekte der zweiten F\u00f6rderphase. 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