{"id":112,"date":"2018-01-17T14:06:36","date_gmt":"2018-01-17T13:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/vorlage\/?page_id=112"},"modified":"2021-03-09T15:23:17","modified_gmt":"2021-03-09T14:23:17","slug":"ueber","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/ueber\/","title":{"rendered":"\u00dcber uns"},"content":{"rendered":"\n<p>Bedarfsgerechtigkeit ist ein in der aktuellen normativen Theorie der Philosophie, \u00d6konomie und politischen Theorie ebenso wie in der experimentellen Forschung zu Verteilungsfragen in Psychologie und \u00d6konomie eher nachrangig behandelter Gegenstand. W\u00e4hrend die Verteilungsprinzipien der Gleichheit (<em>Equality<\/em>) und der Billigkeit (<em>Equity<\/em>) inh\u00e4rente Legitimationsprobleme aufgrund der Ausblendung des jeweils anderen Prinzips aufweisen, k\u00f6nnte eine Orientierung am Bedarf legitimatorische Vorteile besitzen und weniger der Kritik am Verteilungsergebnis ausgesetzt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zunehmenden Verknappung von gesellschaftlichen Ressourcen ebenso wie der sinkenden Dispositionsf\u00e4higkeit von Staaten im Zuge von Globalisierung, \u00f6konomischen Krisen und Verschuldung wohnt ein zunehmendes Konfliktpotenzial um Fragen der Verteilung inne. In diesem Kontext will die Forschergruppe einen Beitrag zur Beantwortung der gesellschaftlich relevanten Frage leisten, wie Verteilungsprozeduren von knappen und unteilbaren G\u00fctern organisiert werden k\u00f6nnen, um das innewohnende Konfliktpotenzial so zu begrenzen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt nicht gef\u00e4hrdet wird. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Fragen, welche Gerechtigkeitsprinzipien und welche Verteilungsprozeduren die gr\u00f6\u00dften Chancen haben, unter realistischen Pr\u00e4ferenzbedingungen allgemeine Anerkennung zu erhalten und eine stabile gesellschaftliche Entwicklung zu gew\u00e4hrleisten. Insbesondere wird dabei anhand von zwei Leithypothesen untersucht, ob und inwieweit die Objektivierung von Bedarfen durch die Herstellung von&nbsp;<em>Transparenz&nbsp;<\/em>(soziale Objektivierung) und den verst\u00e4rkten Einsatz von&nbsp;<em>Expertise&nbsp;<\/em>(sachliche Objektivierung) deren gesellschaftliche Akzeptanz erh\u00f6hen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Verteilungsentscheidungen tangieren Fragen, die Gegenstand der Psychologie, der Wirtschaftswissenschaften, der Politikwissenschaft, der Soziologie, der Philosophie und anderer Disziplinen sind. Von daher kann diese Forschungsagenda nur interdisziplin\u00e4r bearbeitet werden. Dies \u00e4u\u00dfert sich nicht nur im konzeptuellen Ineinandergreifen verhaltens-, gesellschafts- und sozialwissenschaftlicher Perspektiven im Gesamtprojekt, sondern vor allem auch in der interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit innerhalb der Teilprojekte. Jedes Teilprojekt ist als Diskussion zwischen mindestens zwei Disziplinen angelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt zielt also erstens auf die Ermittlung von Mustern des Entscheidungsverhaltens bei Verteilungsfragen ab, die sich endogen unter bestimmten individuellen, institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen herausbilden. Zweitens geht es um die Beantwortung der Frage, ob Verfahren der Verteilung, die dem Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit folgen, auch unter Bedingungen der empirisch auftretenden Muster von Verteilungsentscheidungsverhalten bestimmten normativen Kriterien wie Rationalit\u00e4t, Legitimit\u00e4t, Stabilit\u00e4t und Nachhaltigkeit entsprechen k\u00f6nnen. Zu fragen ist also, ob Verteilungsentscheidungen unter Prinzipien der Bedarfsgerechtigkeit auf gesellschaftlicher Ebene rational und legitim getroffen und dann als stabil und nachhaltig angesehen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wird auch auf das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen&nbsp; einem Entscheidungsverhalten gem\u00e4\u00df Gerechtigkeitsprinzipien und solchem, das von egoistischen Motiven und strategischen \u00dcberlegungen bestimmten sozialen Pr\u00e4ferenzen geleitet wird, eingegangen. Verteilungspr\u00e4ferenzen und Gerechtigkeitsurteile k\u00f6nnen sich auf soziale Pr\u00e4ferenzen und\/oder Gerechtigkeitsprinzipien gr\u00fcnden. Wir gehen davon aus, dass Verteilungsentscheidungen gem\u00e4\u00df dem Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit unter bestimmten Voraussetzungen diese Spannung minimieren, zur Konvergenz unterschiedlicher Meinungen beitragen und daher f\u00fcr die Stabilit\u00e4t und Nachhaltigkeit eines Verteilungssystems sorgen. Allerdings wohnt den vorgelagerten Prozessen der Identifikation und der Anerkennung von Bedarfen ein hohes Konfliktpotential inne, weswegen sich die Forschergruppe auch diesen Dimensionen einer Theorie der Bedarfsgerechtigkeit intensiv widmet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus den in den Experimenten aufgezeigten faktischen Schwierigkeiten oder Grenzen der Bestimmung bedarfsgerechter Verteilungen ergeben sich R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Erreichbarkeit bestimmter normativer Anspr\u00fcche an Bedarfsgerechtigkeit, zum Beispiel in Form struktureller Instabilit\u00e4ten, die in der normativen Theorie reflektiert und zur Neukonstruktion von Verteilungskonzepten im Rahmen einer dadurch&nbsp;<em>informierten<\/em>&nbsp;normativen Theorie der Bedarfsgerechtigkeit f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bedarfsgerechtigkeit ist ein in der aktuellen normativen Theorie der Philosophie, \u00d6konomie und politischen Theorie ebenso wie in der experimentellen Forschung zu Verteilungsfragen in Psychologie und \u00d6konomie eher nachrangig behandelter Gegenstand. 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