{"id":1687,"date":"2024-06-27T10:39:26","date_gmt":"2024-06-27T08:39:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/be\/?p=1687"},"modified":"2024-06-27T10:49:47","modified_gmt":"2024-06-27T08:49:47","slug":"verteilungsgerechtigkeit-bedarf-als-kriterium-fuer-gerechte-verteilung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/be\/verteilungsgerechtigkeit-bedarf-als-kriterium-fuer-gerechte-verteilung","title":{"rendered":"Verteilungsgerechtigkeit: Bedarf als Kriterium f\u00fcr gerechte Verteilung"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/be\/wp-content\/uploads\/sites\/570\/2024\/06\/grafik-1024x683.png\" data-credit=\"\" alt=\"\" class=\"wp-image-1690\" style=\"width:500px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/be\/wp-content\/uploads\/sites\/570\/2024\/06\/grafik-1024x683.png 1024w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/be\/wp-content\/uploads\/sites\/570\/2024\/06\/grafik-300x200.png 300w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/be\/wp-content\/uploads\/sites\/570\/2024\/06\/grafik-768x512.png 768w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/be\/wp-content\/uploads\/sites\/570\/2024\/06\/grafik-1100x733.png 1100w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/be\/wp-content\/uploads\/sites\/570\/2024\/06\/grafik.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size\"><abbr title=\"Professor\">Prof.<\/abbr> <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Stefan Traub (<abbr title=\"Helmut Schmidt Universit\u00e4t\">HSU<\/abbr>) und <abbr title=\"Professor\">Prof.<\/abbr> <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Bernhard Kittel (Universit\u00e4t Wien)<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fcrgergeld, BAf\u00f6G oder Leistungen f\u00fcr Zugewanderte: Sollten vorhandene Ressourcen an alle gleich oder nach Leistung verteilt werden? In Verteilungsfragen dominieren egalit\u00e4re oder leistungsbezogene Argumentationen. Ein besseres Kriterium sei jedoch der Bedarf, so eine interdisziplin\u00e4re Forschungsgruppe um die Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t\/Universit\u00e4t der Bundeswehr Hamburg (<abbr title=\"Helmut Schmidt Universit\u00e4t\">HSU<\/abbr>\/UniBw H). In einer Theorie bedarfsbasierter Gerechtigkeit fassen <abbr title=\"Professor\">Prof.<\/abbr> <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Stefan Traub (Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t\/Universit\u00e4t der Bundeswehr Hamburg) und <abbr title=\"Professor\">Prof.<\/abbr> <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Bernhard Kittel (Universit\u00e4t Wien) die Ergebnisse des Forschungsprojekts zusammen. Die neue Theorie wirft Fragen \u00fcber unsere gesellschaftliche Solidarit\u00e4t auf.<br>Politische Slogans wie \u201eReichtum f\u00fcr alle\u201c oder \u201eArbeit muss sich wieder lohnen\u201c symbolisieren die g\u00e4ngigen Kriterien der Verteilungsfrage: Ressourcen sollen entweder an alle gleich oder aber nach Leistung verteilt werden. In westlichen Demokratien herrscht der Anspruch, eine gerechte Verteilung knapper Ressourcen auszuhandeln.<br>Gerecht sind die g\u00e4ngigen Verteilungskriterien jedoch nicht immer: Eine Gleichverteilung l\u00e4sst beispielsweise individuelle Verdienst au\u00dfer Acht; eine leistungsbezogene Verteilung schlie\u00dft Menschen aus, die aus verschiedenen Gr\u00fcnden keinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten k\u00f6nnen.<br><br><strong>Gemeinsame Forschung f\u00fcr eine umfassende Perspektive auf Verteilungsgerechtigkeit<\/strong><br>\u201eDer Bedarf ist ein besseres Kriterium f\u00fcr die Verteilungsfrage\u201c, erkl\u00e4rt Stefan Traub, Professor f\u00fcr Volkswirtschaftslehre an der Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t\/Universit\u00e4t der Bundeswehr Hamburg.<br>\u201eEs ist nicht per se ungerecht, viel oder mehr als andere zu haben. Ungerecht wird es erst, wenn andere in der Gesellschaft ihre Bedarfe nicht decken k\u00f6nnen\u201c, so der Wirtschaftswissenschaftler.<br>Stefan Traub ist Sprecher der DFG-Forschungsgruppe \u201eBedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren\u201c. Diese hat sich \u00fcber acht Jahre mit verschiedenen Aspekten einer gerechten Verteilung besch\u00e4ftigt. Ihre Hypothesen um Bedarf als Verteilungskriterium haben die Forschenden empirisch getestet, vor allem durch Laborexperimente.<br><br><strong>Diktatorspiele im Labor: Experimente zu Bedarf als Verteilungsprinzip<\/strong><br>In Laborexperimenten testeten die Forschenden, ob Bedarf neben oder statt Gleichheit oder Leistung ein Prinzip f\u00fcr gerechte Verteilung ist. Die Experimente fokussierten dabei jeweils auf unterschiedliche Aspekte und Hypothesen.<br>In einem \u201eDiktatorspiel\u201c konnten Teilnehmende zum Beispiel Gewinne aus ihrem Spiel an Bed\u00fcrftige verteilen. Das Experiment zeigte: Kannten die \u201eDiktatoren\u201c die Bedarfe, wurden diese bei der Verteilung ber\u00fccksichtigt und mehr gedeckt, als bei unbekannten Bedarfen.<br>Weitere Experimente kamen etwa zu dem Ergebnis, dass bekannte Bedarfe bei Verteilungsprozessen ber\u00fccksichtigt werden und Bedarfe zielgerichtet befriedigt werden. Allerdings zeigte sich auch: Verschiedene Bedarfe werden als unterschiedlich wichtig und bedeutsam bewertet.<br>Diese und weitere Experimente aus dem Forschungsprojekt zeigen, dass Bedarf eine Rolle in Verteilungsfragen spielt. \u201eBedarf kann ein Leitprinzip sein, neben dem aber auch andere Prinzipien wie Leistung ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen, um eine gerechte Verteilung zu schaffen\u201c, fasst Professor Bernhard Kittel von der Universit\u00e4t Wien zusammen.<br>Gemeinsam mit Stefan Traub entwickelte Kittel eine Theorie bedarfsbasierter Gerechtigkeit, die auf den einzelnen Ergebnissen des Forschungsprojekts beruht.<br><br><strong>Anerkennung von Bedarf: Einblicke in die Theorie der bedarfsbasierten Gerechtigkeit<\/strong><br>In ihrer Theorie zur bedarfsbasierten Gerechtigkeit legen Traub und Kittel dar, wie Bedarfe identifiziert werden k\u00f6nnen und wann Bedarfsanspr\u00fcche in einer Gesellschaft anerkannt werden. Zentraler Punkt der Theorie ist der Bedarfszyklus: Bedarfe m\u00fcssten festgestellt, anerkannt und in Beziehung zu verf\u00fcgbaren Ressourcen gebracht werden \u2013 ein st\u00e4ndiger Aushandlungsprozess.<br>Allerdings, so betonen die Autoren, sei diese Theorie <em>induktiv<\/em> gewonnen, also aus den bisherigen Beobachtungen abgeleitet. \u201eDie Theorie ist Stoff f\u00fcr weitere Forschung. Denn nun gilt es, sie durch weitere Beobachtungen zu \u00fcberpr\u00fcfen\u201c, so Kittel.<br>Dabei k\u00f6nnte unter anderem untersucht werden, ob die Komplexit\u00e4t der Theorie auch praktisch umgesetzt werden kann. Eine weitere interessante Frage: Kann sich Bedarf als Verteilungsprinzip in einer zunehmend heterogenen Gesellschaft mit zersplitterten Identit\u00e4ten etablieren \u2013 oder br\u00e4uchte es daf\u00fcr eine Gesellschaft, die sich als Gemeinschaft versteht?<br><br><strong>HINTERGRUND: Forschungsprojekt \u201eNeed-Based Justice and Distribution Procedures\u201c<\/strong><br>In der interdisziplin\u00e4ren Forschungsgruppe \u201eBedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren\u201c untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz unterschiedliche Aspekte von Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren. Die acht Teilprojekte deckten die Fachrichtungen Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie, Volkswirtschaftslehre und Soziologie ab. Als wissenschaftliche Methodik wurden \u00fcberwiegend theoriebasierte Laborexperimente genutzt.<br>In acht Teilprojekten untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwischen 2015 und 2022 unterschiedliche Aspekte von Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren.<br>Gef\u00f6rdert wurde das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem \u00d6sterreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) sowie der Swiss National Science Foundation (SNF).<br>Weitere Informationen zum Forschungsprojekt: <a href=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/\">https:\/\/www.hsu-hh.de\/bedarfsgerechtigkeit\/<\/a><br><br><strong>Publikation:<\/strong><br>Kittel, Bernhard \/ Traub, Stefan (2024): Priority of Needs? An Informed Theory of Need-based Justice, Springer Cham. <br><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-031-53051-7\" rel='nofollow'>https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-031-53051-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Medien:<\/strong><br><abbr title=\"Professor\">Prof.<\/abbr> <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Stefan Traub Professor f\u00fcr Volkswirtschaftslehre, <abbr title=\"insbesondere\">insb.<\/abbr> Behavioral Economics<br>Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t\/Universit\u00e4t der Bundeswehr Hamburg<br>T: 040 6541 2865<br>E: stefan.traub(at)hsu-hh.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Stefan Traub (HSU) und Prof. Dr. Bernhard Kittel (Universit\u00e4t Wien) B\u00fcrgergeld, BAf\u00f6G oder Leistungen f\u00fcr Zugewanderte: Sollten vorhandene Ressourcen an alle gleich oder nach Leistung verteilt werden? 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