Bildung kann als Subjektivierung durch die Transformation von Lebensorientierungen verstanden werden. Mit solchen Bildungsprozessen werden tradierte Erfahrungs- und Wissensbestände innerhalb transformierter Lebensorientierungen neu gerahmt. Dabei kommen die impliziten, bislang ungenutzten Ressourcen vorgängiger Lebenserfahrung zur Entfaltung. Wenngleich sich mit der Transformation von Lebensorientierungen Menschen individuieren, sind diese Bildungsprozesse doch in kollektive Erfahrungszusammenhänge eingebettet.
Ziel des in der qualitativen Bildungsforschung situierten Forschungsprojektes ist es, außerschulische, informelle Bildungsprozesse empirisch zu rekonstruieren. Dabei ist die Transformation von Lebensorientierungen und die Tradierung von Erfahrungs- bzw. Wissensbeständen in ihrem Zusammenspiel zu erfassen sowie dem Zusammenhang von Individualität und Kollektivität Rechnung zu tragen. Dazu werden Bildungsprozesse in narrativen Interviews mit etwa 48 Personen erhoben. Die Auswertung mit der dokumentarischen Methode zielt primär auf die empirische Identifizierung und Typisierung der Phasen des Bildungsprozesses, mit denen das Zusammenspiel von Tradierung und Transformation erfasst werden kann. Die Entwicklung von Typiken zu den lebensalter-, geschlechts- und schichtspezifischen Kontexten von Bildungsprozessen wird Aufschluss über die Einbettung individueller Bildungsprozesse in kollektive Erfahrungszusammenhänge geben. Diese empirischen Analysen werden von theoretischen Reflexionen begleitet, die sich auf die bildungstheoretisch relevanten Arbeiten der praxeologischen Wissenssoziologie, des Pragmatismus, der Kulturtheorie und Kultursoziologie stützen.
Für dieses Projekt wurde am 23. Juli 2008 ein Antrag auf Gewährung einer Sachbeihilfe von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligt. Das Projekt wird vom 1.10.08 bis zum 30.9.10 durchgeführt.
