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6/2016: DFG-Forschergruppe Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren

Mit Annahme des Rufes von Professor Dr. Stefan Traub an die Helmut-Schmidt-Universität im vergangenen Jahr hat auch eine DFG-Forschergruppe ihre Arbeit aufgenommen. Der 46-jährige Volkswirt ist Sprecher der Gruppe „Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren“. Er koordiniert voraussichtlich bis 2021 von Hamburg aus acht brandaktuelle, interdisziplinär ausgerichtete Teilprojekte, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Die Gruppe mit 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der Helmut-Schmidt-Universität, den Universitäten Wien, Hamburg, Oldenburg, Bremen und der Jacobs University Bremen untersucht über einen Zeitraum von sechs Jahren unter anderem, welche Formen der Einkommensverteilung zu möglichst geringen Wohlfahrtsverlusten führen. Sie analysieren Verteilungskonflikte und ökonomische Anreizwirkungen. Ziel ist es, Wege für eine möglichst breit anerkannte Umverteilung des Wohlstandes zu identifizieren und Moral Hazards zu vermeiden. Darunter verstehen Experten moralisches Fehlverhalten, wie beispielsweise eine generationsübergreifende „Flucht in Hartz-IV“.

Eine DFG-Forschergruppe ist ein enges Arbeitsbündnis mehrerer herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die gemeinsam eine Forschungsaufgabe bearbeiten. Das Forschungsvorhaben geht dabei nach seinem thematischen, zeitlichen und finanziellen Umfang über die üblichen Förderungsmöglichkeiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft weit hinaus. Die Förderung von Forschergruppen soll helfen, für eine mittelfristige, meist auf sechs Jahre angelegte, enge Kooperation die notwendige personelle und materielle Ausstattung bereitzustellen. Forschergruppen tragen häufig dazu bei, neue Arbeitsrichtungen zu etablieren.

„Themen wie Gerechtigkeit und Umverteilung sind brandaktuell, beispielsweise wenn wir die Frage einer europäischen Gerechtigkeit betrachten. Bauen wir diese auf dem Prinzip der Egalität auf, also dass alle das Gleiche haben sollen? Setzen wir auf das Leistungsprinzip oder schauen wir uns an, wer wie viel benötigt? Und wenn wir nach dem Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit vorgehen, wie wird diese sowohl individuell als auch kollektiv bewertet?“, fragt Stefan Traub.

In der interdisziplinär ausgerichteten Forschergruppe arbeiten Politikwissenschaftler, Volkswirte, Soziologen, Psychologen und Philosophen eng zusammen. An der Helmut-Schmidt-Universität sind neben Stefan Traub ein Post-Doktorand und ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter in zwei Teilprojekte integriert.

Ökonom Traub hat seit dem 1. April 2015 die Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Behavioral Economics, an der HSU inne. Er wechselte mit vier Mitarbeitern vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen an die Elbe. Dort war er zuletzt mit der Leitung von zwei Teilprojekten des 2014 ausgelaufenen DFG-Sonderforschungsbereichs „Staatlichkeit im Wandel“ betraut.

„Für mich als Volkswirt ist die Helmut-Schmidt-Universität sehr attraktiv, weil hier acht volkswirtschaftliche Professuren mit weiteren, beispielsweise aus der Mathematik, der Statistik und der Betriebswirtschaftslehre, vereint sind, von denen keine in Frage steht und die jede für sich forschungsintensiv ist“, sagt Stefan Traub. Schwerpunkte seiner Lehrtätigkeit sind die Spieltheorie, die Verhaltensökonomik und die Experimentalökonomie.

Die experimentelle Arbeit bildet auch ein wesentliches Element in der Arbeit der Forschergruppe. „Noch befinden wir uns im Stadium der Grundlagenforschung, aber wir haben bereits Anwendungsversuche vor Augen.“ So soll in Laborversuchen unter anderem die Akzeptanz von Verteilungsprozeduren mittels Framing untersucht. Bei dieser Form der Wirkungsanalyse messen Wissenschaftler, wie Probanden auf immer wieder neu formulierte Botschaften gleichen Inhalt reagieren. „Es gibt eine sehr starke Übertragbarkeit unserer Laborexperimente in die Realität.“

Stefan Traub freut sich auf die Arbeit auf dem Campus in Hamburg. „An der Helmut-Schmidt-Universität verspüre ich den unbedingten Willen, die Forschung weiter auszubauen. Für mich ist äußerst attraktiv, dass ich diesen Prozess aktiv mitgestalten kann.“ Auch eine Lehre abseits der Massenuniversität reizt den Ökonomen. „Von der Universität Bremen kenne ich Einführungsveranstaltungen mit bis zu 500 Studierenden, von denen einige noch nicht einmal volljährig sind. Das ist eine andere Klientel. Die Studierenden hier haben eine bewusste Entscheidung getroffen.“ Auch freue er sich auf spannende Diskussionen. „Die Volkswirtschaftslehre hält viele interessante, aber auch durchaus kontroverse Themen bereit. Ich halte den Diskurs mit den Studierenden darüber, wie zum Beispiel Finanzkrisen vermieden werden können und wie Sozialpolitik zu gestalten ist, für äußerst sinnvoll.“

Vita
Stefan Traub wurde 1968 in Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) geboren. Nach seinem Abitur absolvierte er eine Berufsausbildung zum Verlagskaufmann bei der Segeberger Zeitung. Dort arbeitete er auch freiberuflich als Lokaljournalist. Nach einem Assessment Center in Andernach gelangte er auf die Warteliste für einen Platz als Redaktionssoldat. Aufgrund der langen Wartezeit entschied er sich jedoch für ein VWL-Studium in Kiel. Stefan Traub schloss das Studium 1995 mit Prädikat ab und blieb an der Universität. Dort wurde er 1999 bei Prof. Dr. Christian Seidl promoviert. 2002 folgte die Habilitation. Nach Stationen in Göttingen, Hannover, Trier und Kiel folgte er 2006 einem Ruf als Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Bremen. Seit 1. April 2015 ist er Inhaber der Professur für Behavioural Economics an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.

Weitere Informationen
http://bedarfsgerechtigkeit.hsu-hh.de/

Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Stefan Traub, Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Behavioral Economics, Tel. 040 6541-2865, E-Mail: traubs@hsu-hh.de

Bereich Pressestelle | 21.04.2016 10:39

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